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Der Unterstützerkreis des Heidelberger Bürgerbegehrens gegen den Verkauf
der städtischen Wohnungen im Stadtteil Emmertsgrund wird immer größer. Nun
haben sich auch die GAL Heidelberg sowie Prof. Dr. Joachim Schultis dem
Bürgerbegehren als Unterstützer angeschlossen. Das Bürgerbegehren gegen
die geplante Wohnungsprivatisierung stößt mittlerweile auch landesweit auf
große Aufmerksamkeit: Am Dienstag (19.2.) wird in der "Landesschau" des
SWR-Fernsehens zwischen 18.45-19.45 Uhr über das laufende Bürgerbegehren
berichtet. Dazu fanden heute Dreharbeiten in Heidelberg sowie Interviews
mit Heidelberger Bürgern statt. Die Zahl der gesammelten Unterschriften
liegt inzwischen bei 1500 und steigt rasch.
Die Mitgliederversammlung der Grün-Alternativen Liste Heidelberg (GAL) hat
am 14.2.2008 folgenden Beschluss gefasst:
"1. Die Mitgliederversammlung der GAL spricht sich gegen den Verkauf der
610 GGH Wohnungen in der Emmertsgrundpassage an einen privaten Investor
aus. Sie findet die Entscheidung des Gemeinderates falsch.
2. Die Mitgliederversammlung bedauert, dass die
GAL-Grüne-Gemeinderatsfraktion keine einheitliche Meinung gegen den
Verkauf finden konnte. Die betriebswirtschaftlichen Nachteile für die GGH
und die damit verbundenen Kosten für die Stadt sind ein nachvollziehbares
Argument, die langfristigen negativen wohnungs- und sozialpolitischen
Folgen eines Verkaufes wirken aber nach Ansicht der Mitgliederversammlung
schwerer.
3. Die GAL unterstützt das Bürgerbegehren gegen den Verkauf der Wohnungen.
Zum einen ist ein Bürgerbegehren in einer solchen umstrittenen und für die
wohnungs- und sozialpolitischen Weichenstellungen der Zukunft wichtigen
Entscheidung eine Möglichkeit alle Bürger im Sinne der direkten Demokratie
zu beteiligen. Zum anderen kann eine Entscheidung des Gemeinderats in
einem breiten Diskussionsprozess revidiert werden.
4. Die GGH wird aufgefordert, den Verkauf bis zum Ende des Bürgerbegehrens
/Bürgerentscheides zurückzustellen."
Prof. Dr. Joachim Schultis vom Geographischen Institut der Universität
Heidelberg, bis 2000 erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg, erklärte
am 17.2.2008 im Rahmen eines Vortrags im Bürgerzentrum
Heidelberg-Kirchheim seine Position zum geplanten Verkauf des
Emmertsgrundes:
"Als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der GGH erwarten Sie von mir zu
Recht eine Aussage zu diesem Vorgang:
Der Wohnungsbestand der GGH beinhaltet überdurchschnittlich viele
Wohnungen aus den 1920er und 1950er Jahren, über 80% sind älter als 20
Jahre. Entsprechend groß ist der Instandhaltungs- und Anpassungsbedarf der
Gebäude in struktureller Hinsicht. Die von der Neuen Heimat übernommenen
und aus den 1970er Jahren stammenden Gebäude in der Emmertsgrundpassage
erfordern erhebliche Finanzmittel um sie zu unterhalten. Dieses Geld hat
die GGH nicht. Ich verstehe deshalb, dass sich die Geschäftsleitung der
GGH, von diesem Wohnungsbestand trennen will. Aufgabe ihrer
Gesellschafterin - der Stadt Heidelberg - wäre es jedoch, die städtische
Wohnungsbaugesellschaft in die Lage zu versetzen ihrem Auftrag "vorrangig
eine sozial verantwortbare Wohnungsversorgung für breite Schichten der
Bevölkerung sicherzustellen" nachzukommen. Ich finde es deshalb richtig,
dass die SPD-Fraktion dem Verkauf der Wohnungen nicht zugestimmt hat.
Zumal die GGH "breite Schichten der Bevölkerung" schon lange nicht mehr
mit Wohnraum versorgt, sondern nur noch Haushalte, die
Zugangsschwierigkeiten zum allgemeinen Wohnungsmarkt haben.
Nach meiner Meinung muss der Gemeinderat seine Wohnungsbaugesellschaft
finanziell so ausstatten, dass sie nicht gezwungen ist, Teile ihres
Wohnungs-bestandes zu veräußern. Gemessen an den Kosten für die
Großprojekte ist dies ein vergleichsweise bescheidener Betrag.
Trotz aller Abwendung von der Politik - die niedrigen Wahlbeteiligungen
bei Bundes-, Landes- und Bürgermeisterwahlen weisen darauf hin - ist das
Interesse der Bürger-schaft an mehr Beteiligung bei kommunalen
Entscheidungsprozessen gewachsen. Bürgerbefragungen und Bürgerentscheide
sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Menschen mitreden und
mitentscheiden wollen. Dies trifft zu Recht auch auf das "Bürgerbegehren
für den Erhalt städtischer Wohnungen" zu. Oberbürgermeister Dr. Eckart
Würzner und der Gemeinderat haben es meiner Ansicht nach bislang nicht nur
versäumt, Prioritäten bei der Vielzahl von Großprojekten zu setzen und der
städtischen Wohnungsbaugesellschaft einen entsprechenden Stellenwert
einzuräumen, sondern vernachlässigen mit dem Fokus auf diese Großprojekte
die Interessen der ärmeren Bevölkerungsschichten."
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