Der Heidelberger Gemeinderat hat auf seiner Sitzung vom 23.7.2008
beschlossen, dem deutlichen Willen von 82 % der Wähler, die am 13.7.2008
beim Bürgerentscheid ihre Stimme abgegeben haben, zu entsprechen und die
610 Sozialwohnungen im Stadtteil Emmertsgrund nicht zu verkaufen.
Letztlich war der Bürgerentscheid also doch erfolgreich.
Dass der erste Bürgerentscheid Heidelbergs ausgerechnet den Emmertsgrund
betraf, zeigt, dass dies ein wichtiger Stadtteil ist, auf den Heidelberg
stolz sein kann. Die vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit durch den
Bürgerentscheid hat sein Image weiter verbessert und auch das
Selbstbewusstsein der Menschen auf dem Emmertsgrund gestärkt.
Das Ergebnis des Bürgerentscheids und die daran anschließende Entscheidung
des Gemeinderats machten deutlich, dass eine sozial gestaltete
Wohnungspolitik unverzichtbar ist und Vorrang vor dem
betriebswirtschaftlichen Eigeninteresse der städtischen
Wohnungsbaugesellschaft GGH haben muss. Die GGH wird das bei ihren
zukünftigen Planungen zu berücksichtigen haben. Sollte die GGH in Zukunft
wieder hinter dem Rücken der Bürger ähnliche Wohnungsverkäufe in anderen
Stadtteilen planen, werden wir jederzeit wieder ein Bürgerbegehren
einleiten, um einen erneuten Bürgerentscheid zu erreichen.
Das "Bündnis für den Emmertsgrund" bleibt auch nach dem Bürgerentscheid
bestehen. Es wird regelmäßige Sitzungen und Veranstaltungen organisieren
und auch aktiv Konzepte entwickeln, wie die Lebensqualität im Stadtteil
Emmertsgrund gesteigert werden kann. Dazu laden wir alle Menschen in
dieser Stadt - Politiker, Bürger und nicht zuletzt die Menschen auf dem
Emmertsgrund selbst - herzlich ein.
In allen baden-württembergischen Großstädten sind die jeweils ersten
Bürgerent-scheide ohne eine einzige Ausnahme aufgrund des hohen
Wahlbeteiligungs-Quorums gescheitert - egal um welches Thema es ging. Auch
Heidelberg bestätigte nun diese Regel. Erst beim zweiten oder dritten
Bürgerentscheid sind die Bürger mit diesem für sie neuen
direktdemokratischen Verfahren hinreichend vertraut, um überhaupt eine
Chance zur Überwindung dieser hohen Hürde zu sehen. Wir werden einen Brief
an Ministerpräsident Oettinger und alle im baden-württembergischen Landtag
vertretenen Fraktionen schreiben, in dem wir um eine Absenkung dieser viel
zu hohen gesetzlichen Hürde nach dem Vorbild anderer Bundesländer bitten.
In Bayern hätte beispielsweise die Überwindung einer 10%-Hürde genügt. Die
in Baden-Württemberg geforderte 25%-Hürde ist dagegen in dieser Form
einfach unsinnig und unangemessen.
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